Biotechnologie in Deutschland – Die Fakten

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Laut Definition der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organisation for Economic Cooperation and Development, OECD) ist Biotechnologie „Die Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen, Teile von ihnen, ihre Produkte oder Modelle, zwecks Veränderung von lebender oder nichtlebender Materie, zur Erweiterung des Wissensstandes, Herstellung von Gütern und zur Bereitstellung von Dienstleistungen.“

Allein in Deutschland gibt es heute mehr als 580dedizierte Biotech-Firmen und 130+ Unternehmen, für die Biotechnologie nur ein Teil ihres Geschäftes darstellt. In 2014 gab es damit ~37.000 Arbeitsplätze in der kommerziellen Biotechnologie. Etwa 50% der deutschen Biotech-Unternehmen gehören dem „roten“ Feld an: die Entwicklung von Medikamenten und diagnostischen Methoden. Im Jahr 2014 erwirtschafteten die deutschen Biotech-Firmen einen Umsatz von 3.03 Mrd. Euro, wobei die medizinische Biotechnologie mit einer Gesamtsumme von 2.08 Mrd. Euro der bedeutendste Umsatzbringer war (mit einem deutlichen Plus im Vergleich zu 2011 in dem 1.8 Mrd. Euroim „roten“ Bereich erwirtschaftet wurden).

Ein Blick auf die durchschnittliche Größe der dedizierten Firmen ist überraschend: Fast jede zweite Firma zählt weniger als zehn Mitarbeiter und weitere 45 % der Unternehmen beschäftigten 10-50 Mitarbeiter. Deutschlandweit sind Qiagenund Miltenyi Biotech mit einer Gesamtmitarbeiterzahl von 5000+ die größten Unternehmen. Die geographische Verteilung der Firmen hat sich in den letzten Jahren nicht stark verändert. Nach wie vor befinden sich die Meisten in Bayern (104), Berlin-Brandenburg (95) und Baden-Württemberg (95). Die höchste Arbeitnehmerzahl (<4000) von dedizierten Biotechnologie-Unternehmen weist jedoch Nordrhein-Westfalen auf, da hier Qiagen und Miltenyi ihre Standorte haben.

Im Finanzierungsbereich hängen die Deutschen hinterher: es mangelt an Investoren und Risikokapital. „Wir sind chronisch unterfinanziert“, klagt Peter Heinrich, der Vorstandssprecher von BIO Deutschland. 2013 wurde das Risikokapital in Deutschland um fast 40% reduziert. Statt 205 Mio. Euro im Vorjahr waren es nur 127 Mio. Euro. Im gleichen Zeitrahmen erwarben die US Biotech-Unternehmen dreimal mehr. Folglich, sagt Heinrichs, «Bleiben viele Projekte liegen oder kommen nicht in dem Tempo voran. Riskante, aber umsatzträchtige Ideen können nicht verfolgt werden». Jedoch seit 2013 holen die privat finanzierten Firmen auf und konnten ihre eingeworbenen Gelder um 26% steigern (172 Mio. Euro in 2014 im Vergleich zu 137 Mio. Euro in 2013), während der Anteil der öffentlichen Förderung einen Tiefstand von 44 Mio. Euro erreicht. Überraschenderweise beschränkt sich die Liste der börsennotierten deutschen Biotech-Firmen auf drei, welche jedoch relative erfolgreiche Börsengänge hatten.

Trotz des schwierigen Finanzierungsumfeldes hat Deutschland eine hoch innovative Biotech-Industrie etabliert und deutsche Biotechnologen geben sich noch nicht geschlagen: Biotech-Firmen und Pharma-Industrie gehen verstärkt hiesigen Kooperationen ein und ausländische Investoren werden an Land gezogen.

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