Warum so viele junge Akademiker aus der Wissenschaft gedrängt werden

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Das Erlangen eines naturwissenschaftlichen Doktortitels ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen und triumphierenden Karriere, dachten wir, bevor wir uns für die Dissertation angemeldet haben. Und nach all den Jahren als Doktorand sollte es doch nun auch bergauf gehen, oder? Man findet eine gute Post-Doc Stelle und ist auf gutem Wege zum Juniorprofessor. Doch das ist einfacher gesagt, als getan. Ethan Perlstein, ein junger Wissenschaftler mit einem beeindruckenden Lebenslauf; Promotion in Harvard, Post-Doc in Princeton und Publikationen in renommierten Fachzeitschriften, schaffte er nicht zum Professor. Heute leitet er ein unabhängiges Labor, Perlstein Lab, das nach den Prinzipien eines kleines Biotech- Unternehmen strukturiert ist.

 

Obwohl Ethan es schaffte, einen Post-Doc an einer Elite-Universität zu bekommen, ist dies heutzutage fast unmöglich. Hunderttausende Naturwissenschaftler promovieren jährlich (in 2010: 49000in den USA, 25600in Deutschland, 6500in Australien und 49000in China, um nur ein paar Zahlen zu nennen) und der Konkurrenzkampf ist heftig. Selbst zahlreiche Publikationen versprechen keine Anstellung im Wunschlabor, es sei denn, wir bringen unsere eigenen Forschungsgelder mit. Und hier beginnt der Teufelskreis: Keine Publikationen – keine Forschungsgelder – keine Forschung usw. Zur Verbildlichung: Das Clare College, Cambridge UK, erhielt im Jahr 2013-14 230 Bewerbungen für ein einziges Junior-Forschungsstipendium.

 

Angenommen Du bist der glückliche Wissenschaftler der dieses Stipendium erhält und einen Arbeitsvertrag unterzeichnet. Du verlässt dein Heimatland, arbeitest unzählige Überstunden zum Hungerslohn mit Null- Jahresurlaub und verbringst mindestens sechs Monate damit, einen neuen Antrag für Forschungsgelder zu schreiben. Der Teufelskreis beginnt von vorne. Vielleicht schaffst du es zur Leitung deiner eigenen Nachwuchsgruppe, aber höchstwahrscheinlich nicht. An diesem Punkt geben die meisten Forscher auf und verlassen die Universität. Allerdings bist Du dann Mitte-Ende-Dreißig und im Vergleich zu all deinen Nicht-Forscher-Freunden, liegst du weit hinten mit dem Hausbau und der Familiengründung.

 

Also warum klären uns die Professoren nicht über das wahre Leben eines Wissenschaftlers auf? Oder warum werden wir von den Universitäten nicht auf weiterreichende Karrieren vorbereitet? Wenn alle die Statistiken kennen würden, würden sich vielleicht weniger für die Promotion entscheiden.

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